KI in der Literaturrecherche
Maschinelles Lernen und generative künstliche Intelligenz gewinnen, nicht zuletzt dank Chat-GPT, auch im Studium immer mehr an Bedeutung. Auf dieser Seite geben wir Ihnen Informationen und Ratschläge an die Hand, die Ihnen beim Umgang mit KI während des Studiums, speziell bei der Literaturrecherche helfen sollen.
Was ist KI und wie arbeitet sie?
Künstliche Intelligenz (KI) bezeichnet computerbasierte Systeme, die Aufgaben übernehmen, für die menschliche Fähigkeiten wie Verstehen, Lernen oder Entscheiden nötig sind.
Sie „denkt“ nicht wie ein Mensch, sondern verarbeitet Informationen mithilfe mathematischer Modelle und basiert oft auf maschinellem Lernen; trainiert wird mit großen Datenmengen, um Muster zu erkennen und Vorhersagen zu treffen.
Sprachbasierte KI, wie sie auch in der Literaturrecherche eingesetzt wird, berechnet zum Beispiel Wahrscheinlichkeiten, welche Inhalte in welcher Reihenfolge auftreten.
Wichtig bleibt: KI besitzt kein eigenes Wissen oder echtes Verständnis von Wahrheit oder wissenschaftlicher Qualität – Ergebnisse beruhen auf Wahrscheinlichkeiten und können fehlerhaft sein.
In der wissenschaftlichen Arbeit dient KI vor allem als Werkzeug, um große Informationsmengen zu überblicken, Themen zu strukturieren und neue Suchansätze zu entwickeln; die Bewertung von Quellen und die wissenschaftliche Verantwortung liegen weiterhin bei den Nutzenden.
KI kann...
- Muster in Texten erkennen
- relevante Literatur vorschlagen
- Themen zusammenfassen
- Suchbegriffe zusammenstellen
- Fragestellungen unterstützen
KI kann nicht...
- wissenschaftliche Qualität selbst prüfen
- eigene Meinungen oder Wissen entwickeln
- garantiert korrekte Ergebnisse liefern
- die Verantwortung für Quellenarbeit übernehmen
Gut zu wissen
KI ist ein Werkzeug und eine Ergänzung, kein Ersatz für kritische Recherche. Die wissenschaftliche Bewertung liegt immer in der Verantwortung des Nutzenden.
KI in der Literaturrecherche
KI-Systeme in der Literaturrecherche arbeiten auf Basis von maschinellem Lernen und statistischen Modellen. Anders als klassische Suchmaschinen, die einfach nur nach Schlüsselwörtern suchen, analysieren KI-Systeme große Mengen an Texten, erkennen Zusammenhänge und generieren Vorschläge, die inhaltlich relevant sein könnten.
KI kann vor allem in der vorbereitenden Phase für die Literaturrecherche unterstützend eingesetzt werden bei der
- Themenfindung und Eingrenzung des Forschungsfelds
- Identifikation von Schlagwörtern und Suchbegriffen
- Erstellung von Überblicken oder Zusammenfassung großer Textmengen
So funktioniert KI in der Literaturrecherche:
- Literaturdaten auswerten: KI analysiert bibliografische Daten wie Titel, Abstracts, Schlagwörter, Zitationen und – je nach Tool – Volltexte aus wissenschaftlichen Publikationen
- Thematische Zusammenhänge erkennen: auf Basis dieser Daten identifiziert die KI Forschungsthemen, zentrale Begriffe, verwandte Konzepte, inhaltliche Nähe zwischen Publikationen sowie Zitationszusammenhänge
- Relevante Literatur benennen: die KI schlägt passende Quellen vor und ordnet sie thematisch ein
- Interaktive Anpassung: durch präzisere Suchanfragen, Nachfragen oder Korrekturen können diese Ergebnisse verfeinert werden
KI kann bei der Recherche...
- nach relevanter Literatur unterstützen
- Themen und Zusammenhänge sichtbar machen
- Schlagworte und Suchstrategien vorschlagen
- große Textmengen überblicken und zusammenfassen
KI kann bei der Recherche nicht...
- garantieren, dass alle Ergebnisse korrekt oder vollständig sind
- wissenschaftliche Qualität prüfen
- menschliche Bewertung oder kritisches Denken ersetzen
Gut zu wissen:
KI berechnet Wahrscheinlichkeiten, keine absoluten Wahrheiten. Sie kann relevante Literatur empfehlen, aber auch Fehler machen oder Inhalte „halluzinieren“, die nicht existieren.
Für die verlässliche Suche nach wissenschaftlicher Literatur sind weiterhin bibliothekarische Suchportale, Kataloge und Fachdatenbanken entscheidend.
Abhängig von ihren Funktionalitäten, kann man KI-Tools in verschiedene Gruppen einteilen.
Viele KI-Tools reagieren nicht auf die Eingabe von Suchbegriffen, sondern auf sog. Prompts, in menschlicher Sprache formulierte Befehle.
Unterstützen bei:
- der Ideenfindung
- der Entwicklung von Search strings für Datenbankabfragen
- der Analyse von Texten
- der Formulierung von Gliederungspunkten
- der Formulierung von ersten Entwürfen
- dem Lektorat der ausformulierten Gedanken
Unterstützen bei:
- der Durchsuchung großer Datenbanken nach relevanter Literatur
- der Auffindung aktueller und relevanter wissenschaftlicher Artikel
- bieten oft zusätzliche Funktionen wie Zitier- und Analysewerkzeuge
Unterstützen bei:
- der Identifizierung thematischer Verbindungen zwischen wissenschaftlichen Arbeiten
- der Visualisierung dieser Verbindungen
- der Entdeckung neuer relevanter Publikationen auf Basis eines Ausgangspapiers
- beim Verstehen der Vernetzung von Literatur
6 Fragen: Ein reflektierter Umgang mit KI
Machen Sie sich klar, dass Sie beim Einsatz von KI "Fremdleistung" beanspruchen. Fragen Sie sich daher:
- Möchte ich ein KI-Tool verwenden und wofür?
- Was sind für mich Vor- und Nachteile bei der Arbeit mit einem KI-Tool?
- Darf ich in meinem Fachbereich überhaupt KI-Tools verwenden?
- Ist das KI-Tool für die wissenschaftliche Arbeit geeignet?
- Besitze ich die notwendigen Kenntnisse, um das Tool zu verwenden?
- Wie kann ich meine Ergebnisse aus der Arbeit mit dem KI-Tool auf Korrektheit und Zuverlässigkeit überprüfen?
Wichtig zu beachten:
Der Einsatz von KI beim wissenschaftlichen Arbeiten erfordert einen bewussten und transparenten Umgang.
Die Nutzung sollte stets den Vorgaben der jeweiligen Hochschule, des Fachs und der Prüfungsordnung entsprechen. Persönliche oder urheberrechtlich geschützte Inhalte dürfen nicht unbedacht in KI-Systeme eingegeben werden.
Zu beachten sind daher:
- Grundsätze der Nutzung im wissenschaftlichen Kontext
- Transparenz- und Kennzeichnungspflichten
- Zitierfähigkeit von KI-generierten Inhalten
- Umgang mit Urheberrecht, Lizenzen und Datenschutz
- Dokumentation der KI-Nutzung
Bitte bedenken Sie bei jeder KI-Nutzung, dass die meisten KI-Anbieter sich nicht an deutsche oder europäische Rechtsnormen zum Schutz persönlicher Daten und von Urheberrechten gebunden fühlen. Deshalb sollten Sie drei Regeln stets beachten:
- Geben Sie in KI-Anwendungen keine persönlichen Daten Dritter ein und überlegen Sie sich gut, welche Ihrer persönlichen Daten Sie preisgeben wollen.
- Laden Sie in KI-Anwendungen keine urheberrechtlich geschützten Texte hoch (auch nicht auszugsweise).
- Vergewissern Sie sich, ob eine beabsichtigte KI-Nutzung nach dem für Ihr Fach maßgeblichen Prüfungsrecht (Prüfungsordnung, Prüfungshinweise) zulässig ist.
Fazit
Der Einsatz von KI ist kein "Selbstläufer". Er setzt vielmehr aktives, intellektuelles Zutun voraus.
Der/die Nutzende muss
- KI verstehen: Die Funktionsweise von KI-Tools und ihre Risiken müssen bekannt sein. Übung ist nötig, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.
- nötige Fachkenntnisse anwenden: Um die Qualität der Treffer einzuschätzen, sind grundlegende Kenntnisse im eigenen Fachgebiet unverzichtbar. Nur dann kann man
- die Glaubwürdigkeit der Ergebnisse prüfen
- Verzerrungen (Bias) erkennen
- die Ergebnisse kritisch prüfen und verantwortungsvoll einsetzen
KI ist ein Werkzeug, keine Autorität!
Die Uni Bonn und KI
Im Oktober 2025 wurde die "Leitlinie der Universität Bonn zum Umgang mit generativer Künstlicher Intelligenz im Bereich Studium und Lehre" veröffentlicht. Die hier formulierten Grundsätze für den Umgang mit KI in der Hochschullehre und bei Prüfungen unter Berücksichtigung von Datenschutz, Urheberrecht und Kennzeichnungspflicht sollen allen Angehörigen der Universität zur Orientierung dienen.
Da die Anforderungen und Herausforderungen des KI-Einsatzes je nach Fachdisziplin variieren, sind die Fakultäten aufgefordert, diese Leitlinie entsprechend den spezifischen Anforderungen ihrer Fächer zu reflektieren, bei Bedarf für ihren Gebrauch anzupassen und zu veröffentlichen.
Alle Leitlinien unterliegen einer ständigen Überprüfung und Anpassung.
Um die Umsetzung der Leitlinien zu unterstützen, stellt die Universität Bonn zentrale Handreichungen, Schulungen und eine interne Informationsplattform bereit: KIWIS (Künstliche Intelligenz: Wirkungsvolle Integration von Sprachmodellen).
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Wir sind für Sie da bei Fragen rund um die Bibliothek und zur Literaturrechercherche: Montag - Freitag, 9 bis 17 Uhr.