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Radde, Gustav

Der Geograph und Naturforscher Gustav Radde (1831-1903) unternahm Forschungsreisen auf die Krim, im Kaukasus und in Sibirien. Ein Teil seines Nachlasses, der u.a. Briefe mit Reisebeschreibungen enthält, befindet sich in der ULB.

Radde, Gustav

Portrait von Gustav Radde (ULB Bonn: NL Radde : III a : 4)

Der bekannte deutsche Naturforscher und Geograph Gustav Ferdinand Richard Radde wurde am 27.11.1831 bei Danzig geboren.

Als Sohn eines Lehrers begann Radde zuerst eine Lehre als Apothekergehilfe. Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1851 entstand jedoch der Wunsch, die Welt zu erkunden. Durch die Unterstützung der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig war es Radde möglich, im Jahr 1852 an einer Reise zur russischen Halbinsel Krim teilzunehmen. Dort sammelte er während seines Aufenthalts zahlreiche Exponate der dortigen Flora und Fauna, die später in die internationale Sammlung der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig übergingen. Zwischen den Jahren 1855 und 1860 nahm Radde im Auftrag der Russischen Geographischen Gesellschaft an Forschungsreisen in die Flussregion Amur und nach Südostsibirien teil.  Nach der Rückkehr von diesen Reisen erhielt Radde eine Stelle als Konservator bei der Akademie der Wissenschaft in Sankt Petersburg, was es ihm ermöglichte, die Exponate und Forschungsergebnisse seiner Reisen zu bearbeiten und anschließend zu publizieren. Viele seiner Schriften übersandte er der Bibliothek der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig.

1863 heiratete Gustav Radde Marie von Brandt, die Tochter eines Zoologen aus Sankt Petersburg. Das Ehepaar ließ sich in Tiflis nieder, wo Radde als Gehilfe des Direktors am Observatorium mit der Erforschung des damals noch weitgehend unbekannten Kaukasus-Gebietes betraut wurde.  Radde verbrachte die nächsten vierzig  Jahre mit der Erforschung dieses Gebietes und entwickelte sich zum maßgeblichen Experten. Bereits 1866 gründete er das Naturhistorisch-ethnographische Museum in Tiflis, das 1871 für die Öffentlichkeit zugänglich wurde und gleichzeitig als sein Wohnsitz diente. Die dem Vorbild der Natur angelehnte Ausstellung  diente vielen europäischen Museen als Vorbild. Auch in den folgenden Jahren unternahm Radde weitere Forschungsreisen, wie etwa 1885 zu den Dagestanischen Hochalpen oder in die tropischen Gebiete Indiens in den Jahren 1890 bis 1891.

Radde kehrte oft in seine alte Heimat Danzig zurück, besuchte die Verleger seiner wissenschaftlichen Veröffentlichungen oder nahm als Gast, Referent oder Leiter an europäischen wissenschaftlichen Kongressen teil. Seine Werke und Forschungen wurden mit zahlreichen Auszeichnungen wie der Ehrendoktorwürde der Universität Dorpat und der Markarow-Prämie für sein Werk „Ornis caucasia“ (die Vogelwelt des Kaukasus) ausgezeichnet. Gustav Radde verstarb am 15. März 1903 im Alter von 71 Jahren in seinem Wohnort Tiflis.

Ein Teil seines Nachlasses gelangte über die Naturforschende Gesellschaft in Danzig zunächst an den Geographen Nikolaus Creutzburg und konnte in den 1970er Jahren von der ULB Bonn erworben werden. Er enthält Korrespondenzen, Lebensdokumente und Werkmanuskripte, darunter Rundbriefe an Raddes Danziger Freunde mit ausführlichen Beschreibungen von seinen Reisen. Die Dokumente sind im Verbundkatalog Kalliope nachgewiesen und in den Digitalen Sammlung vollständig in digitalisierter Form zugänglich.


» Weitere Informationen zu Gustav Radde finden Sie im Artikel der Wikipedia.

 

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