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St. Adelheid

Die Bibliothek des ehemaligen Karmeliterklosters St. Adelheid im Pützchen

Im Werk über St. Adelheid von F. Hauptmann heißt es: " ... nur die Sage weiß aus grauer Vorzeit davon zu erzählen. Fast neunhundert Jahre ist es nun her, so berichtet sie uns, da wurde diese Gegend von einer beispiellosen Dürre heimgesucht. Die Saaten verdorrten, Brunnen und Quellen waren versiegt, so daß das Vieh nicht getränkt werden konnte, und man es aus weiter Ferne dem Rheine zutrieb, der auch zum kleinen Bach geworden. Damals lebte in dem benachbarten Kloster Vilich, welches ihr Vater Meginoz, Graf von Geldern und Zütphen 985 gestiftet hatte, als Äbtissin die h. Adelheidis. Die jammerte die Noth des Volkes und nach inbrünstigem Gebet stieß sie ihren Stab in den Boden aus welchem sofort ein reichlicher Wasserstrahl emporsprudelte, den Durstigen zur ersehnten Erquickung."

Bei dieser Quelle soll angeblich ein Brunnen entstanden sein, welcher später durch eine Kapelle und ein Brunnenhaus erweitert worden ist. Die erste urkundliche Erwähnung der Quelle findet sich zum Jahre 1367. Der Ort wurde mehr und mehr zur Wallfahrtsstätte. Nachdem 1688 die Betreuung der Wallfahrer den Karmelitern übergeben wurde, bekamen diese 1690 von der Vilicher Äbtin die bestehenden Gebäude sowie ein Grundstück geschenkt. Damit verbunden war die Errichtung eines Klosters, das 1706 für 70.000 Taler fertiggestellt wurde. 1804 mussten die Karmeliter das Kloster im Zuge der Säkularisation verlassen.  

Die Bibliothek 

SanktAdelheid EintragNach der Auflösung des Klosters übergaben die Franzosen ungefähr die Hälfte der Bücher (751) der Düsseldorfer Hofbibliothek. Den Rest ließ man in dem geplünderten Kloster zurück. Möglicherweise lagerten sie dort etwa fünfzehn Jahre in Kisten verpackt.

Als der Oberpräsident der Rheinprovinz Friedrich zu Solms-Laubach (1769 - 1822)  im Jahr 1818 auf einer Informationsreise in der unbewohnten Abtei in Vilich eine Kiste mit Büchern fand, ließ er sie versiegeln und zu anderen Kisten, die bereits aus dem alten Kloster St. Adelheid in Pützchen geholt worden waren, bringen. Die Bücherkisten erhielt der damalige Universitätsdirektor Karl Dietrich Hüllmann  (1765 - 1846). Dieser teilt mit Schreiben vom 15. November 1818 die Bücher in drei Qualitätsstufen ein (circa-Angaben):

Qualität Folio Quart Oktav Gesamt
gut 40 30 80 150
mittel 70 44 120 234
schlecht 53 110 300 463
Gesamt 163 184 500 847


Die als schlecht bezeichneten Bücher waren seiner Meinung nach lediglich als Makulatur zu gebrauchen. Sie wurden deshalb für 25 Taler veräußert.

Wie genau Hüllmanns Aufstellung war, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen. Der Beamte, der die Bücherkisten gepackt hatte, kam auf 941 Bücher. Ob hier Werke oder Bände gezählt wurden, ist nicht bekannt. Zählt man die Bücher, die in die Düsseldorfer Hofbibliothek gebracht wurden, hinzu, kommt man auf grob 1690 Bücher, die das Kloster seinerzeit besessen haben muss.

Im Akzessionsjournal von 1819 findet sich folgender Eintrag: "Catalogus librorum e bibliotheca monasterii ad Stam Adelheid., |vulgo, zum Pütschen|, selectorum." Dort werden folgende Mengen aufgelistet:

  Folio Quart Octav Sedez und Duodez Gesamt
Auflistung 79 60 163 45 347
Im Anhang 29 16 51 22 118
Gesamt 108 76 214 67 465

 

Vermutlich wurden diese Bücher aus der Gesamtmenge ausgewählt, worauf das Wörtchen "selectorum" schließen lässt. 

Der überwiegende Teil der 465 Bücher ist theologischen Inhalts, gefolgt von Jura, Philosophie, Geschichte und Sprachen.  Aufgrund der Zerstörung der letzten drei Gruppen während des Zweiten Weltkrieges wurden auch die darin befindlichen Bücher aus Sankt Adelheid fast vollständig vernichtet.

Viele Bände weisen Besitzeinträge auf, überwiegend von Personen des Bonner Umlands. Da es sich bei dem Kloster um eine Pilgerstätte gehandelt hat, ist anzunehmen, dass besser betuchte Pilger dem Kloster gleichfalls Bücher spendeten. Teilweise wurde dem Besitzvermerk des Klosters die Angabe des Erwerbungsjahres beigefügt. Besonders augenfällig sind die vielen Besitzeinträge Ferdinand Elckens, der seine Bücher wohl im Jahre 1716 an das Kloster in Pützchen abgegeben hat.

Erwähnenswert sind ferner die hübschen Einbände mancher Bücher sowie die sechs Inkunabeln, darunter auch die lateinische Erstausgabe von Bernhard von Breidenbachs "Peregrinatio in Terram Sanctam" (Inc. 206).


Quellen / Kataloge / Verzeichnisse

Literaturhinweise

 

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