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Savigny, Friedrich Carl von

Die Bibliothek des Rechtsgelehrten Friedrich Carl von Savigny

Carl von Savigny wurde am 21. Februar 1779 in Frankfurt am Main geboren. Mit 13 Jahren wurde er zum Waisen und von Constantin Franz Fürchtegott von Neurath (1777 - 1817) in dessen Haus in Wetzlar aufgenommen. Er studierte an diversen Universitäten und promovierte in Marburg. Dort unterrichtet er Strafrecht und die Pandekten. Zu seinen Schülern gehörten u.a. die Gebrüder Grimm. 1804 heiratete er Kunigunde, die Schwester von Clemens Brentano (1778 - 1842). 1820 wechselt er an die Königliche Universität nach Berlin, um dort Institutionen und Rechtsgeschichte sowie Pfandrecht zu lehren. Er veröffentlichte diverse Schriften und Werke und avancierte 1842 zum Großkanzler und Minister für Revision der Gesetzgebung. Savigny verstarb am 25. Oktober 1861 in Berlin.

Savigny wurde schon früh zu einem Bibliophilen. Über Jahrzehnte hinweg kaufte er Handschriften und alte Drucke. Savignys Bibliophilie ist vermutlich auf seinen Lehrer Philipp Friedrich Weis (1766 - 1808) zurückzuführen. Weis besaß selber eine große Bibliothek, die Savigny als Schüler nutzen durfte. 1800 umfasste seine Bibliothek schon ungefähr 2500 Bände, 20 Jahre später waren es 7000. Aus den Briefwechseln mit Brentano, Grimm und Weis geht hervor, dass er sich viele seiner Bücher auf Auktionen beschaffen ließ. Allerdings veräußerte er gelegentlich auch Teile seiner Bibliothek. 1806 verkaufte Savigny 1500 Bände. Angeblich ließ er dafür in Frankfurt einen Katalog drucken, der aber bis heute nicht nachzuweisen ist. Der handschriftliche Katalog liegt bereits digitalisiert vor.

Die Bibliothek

Savigny traf schon zu Lebzeiten Vorsorge zum Schutz der wertvollsten Teile seiner Bibliothek. Er vermachte testamentarisch die Handschriften sowie die wertvollsten Drucke der Königlichen Bibliothek in Berlin. Laut §2 seines Testamentes sollten seine Hand- und Arbeitsexemplare sowie der nicht-briefliche, handschriftliche Nachlass im Wohnsitz Trages aufbewahrt und nach Gutdünken von seinen Erben verschenkt oder verkauft werden können.

Den größten Teil seiner Bibliothek vermacht er seinem Sohn Karl Friedrich (1814 - 1875). Dieser bestimmte seinerseits testamentarisch, dass  die Bibliothek als Grundstock für eine in Fulda zu errichtende katholische Hochschule dienen sollte. Zu deren Gründung kam es jedoch nicht. Nachdem die testamentarisch festgelegte Zweckbestimmung nicht mehr erreicht werden konnte, entschloss sich die Familie zum Verkauf an eine öffentliche, wissenschaftliche Institution mit der Auflage, für eine in sich geschlossene Aufstellung Sorge zu tragen. 1959 verkauften die Nachfahren Friedrich Carl von Savignys dessen Bibliothek so an die Universität Bonn.

Allerdings erhielt die Bonner Universitätsbibliothek nicht den gesamten Bestand. Ca. 3/4 der kleinen Schriften, etwa 4.500 Dokumente, blieben in der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars in Fulda zurück, wo sie bis heute unerschlossen aufbewahrt werden. Anfang März 1998 wurden 480 Bände bei einer Versteigerung des Inventars des Gutes Trages nach  Japan (Savigny Library of Toin Memorial Academium) verkauft. Der handschriftliche Nachlass Friedrich Carl von Savignys wird in der Staatsbibliothek Berlin, der Universitätsbibliothek Marburg sowie der Universitäts- und Landesbibliothek Münster aufbewahrt.

SavignyTitelblattDer Bonner Bestand umfasst zur Zeit rund 3800 Werke in über 5600 Bänden, darunter auch sieben Inkunabeln. Hinzu kommen ca. 1500 kleinere Schriften, bei denen es sich überwiegend um juristische Dissertationen handelt. Der Bestand ist separat aufgestellt und mit eigenen Signaturen versehen, so dass man mit einer Suche im Suchportal bonnus (Signatur: Sav *) alle Bände finden kann.

Gut die Hälfte der Bände wurde in den 70er Jahren neu eingebunden. Dennoch sind bei einigen Bänden die Buchblöcke, insbesondere das Papier, in einem irreparablen Zustand, was wohl auf die schlechte Lagerung im Fuldaer Dom und dessen Bombardierung im Zweiten Weltkrieg zurückzuführen ist.

Sehr viele Bände weisen Vorbesitzereinträge auf. Daraus lässt sich erschließen, dass Friedrich Carl von Savigny die meisten Bücher auf Auktionen ersteigerte oder ersteigern ließ. Besonders nennenswerte Fremdprovenienzen sind unter anderem Johann Conrad Feuerlein, Konrad von Uffenbach, Franz Joseph Bodmann und sogar Johann Fichard. Besitz- oder gar Kaufvermerke von Savignys eigener Hand findet man dagegen allerdings nur selten. Immerhin weist die Ausgabe der peinlichen Gerichtsordnung Kaiser Karls V. von 1532 (2° Sav. 162) handschriftlichen Anmerkungen Savignys auf. 


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