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Leydig, Franz von

Die Bibliothek des Zoologieprofessors Franz von Leydig

Der Zoologe und vergleichende Anatom Franz von Leydig wurde am 21.05.1821 in Rothenburg ob der Tauber geboren und starb dort auch am 13. April 1908. Er studierte Philosophie in München und Medizin in Würzburg, wo er auch promovierte, und folgte später jeweils einem Ruf an die Universität Tübingen und dann an die Bonner Alma Mater.

Leydig entdeckte sehr früh seine Neigung zur Natur. Schon als Kind von 12 Jahren saß er im elterlichen Garten und experimentierte mit Insekten unter dem Mikroskop. Nach seiner Habilitation im Winter 1850/51 reiste er zu Forschungszwecken nach Istrien, Sardinien und Venetien, um sich dort mit den wirbellosen Tieren des Mittelmeers zu befassen. Damit war sein zukünftiges Forschungsgebiet festgelegt. Leydigs Motivation zu seinem wohl wichtigsten Werk, dem "Lehrbuch der Histologie des Menschen und der Thiere", das als wichtiges frühzeitliches Quellenwerk der Zellenlehre gilt, entstand sehr wahrscheinlich aufgrund dieser Reise.

Um seinen Charakter zu beschreiben, soll ein Satz aus der Festrede von Richard Hertwig (1850 - 1937) genügen:
"Wer ihn kennen lernte, gewann sofort den Eindruck, dass er es mit einem vornehm denkenden und wohlwollend gesinnten Mann von aussergewöhnlicher Begabung zu tun hatte"

Die Bibliothek Leydigs 

Leydig Widmung1In seinem Testament von 1907 vermachte Franz von Leydig einen Großteil seines Vermögens der Bonner Universität. Zusätzlich zu den 20.000 Mark, die er der "Hülfstelle für Relikte" der Universität Bonn vermachte, schenkte er seine Bücher der Universitätsbibliothek. Einige "Separata" wurden einem Antiquar übergeben. In einem Schreiben vom 12. Mai 1908 fragte Katharina Leydig, die Witwe des Verstorbenen, den damaligen Universitätsrektor Benno Erdmann (1851 - 1921), ob die Universität seine Bücher übernehmen wolle. Es wären zwar einige alte, möglicherweise wertvolle, Bücher darunter, dennoch würden sie, den Wert von 5000 Mark nicht übersteigen. Der überwiegende Teil wären Geschenke von Forschungskollegen.

Der damalige Bibliotheksdirektor Wilhelm Erman (1850 - 1932) entschied, die Bibliothek durch einen Würzburger Spediteur nach Bonn bringen und nicht vor Ort begutachten zu lassen. Die Bücher trafen am 13. Oktober 1908, in 29 Kisten verpackt, in Bonn ein. Ein Verzeichnis legte fest, welche Titel in der Universitätsbibliothek verbleiben und welche an Institute abgegeben werden sollten. Nach der Inventarisierung blieben von 1085 Werken (1674 Bänden) 395 Werke (823 Bände) übrig, die Herrn Moritz Nussbaum (1850 - 1915), Professor im Biologischen Laboratorium, im Juni und September 1909, zur Durchsicht übergeben wurden. 319 Werke (544 Bände) und eine unbestimmte Menge kleiner Schriften übernahm er. Der Rest kam zu den Dubletten.

In den Akzessionsjournalen von 1908 und 1909 finden sich wiederholt Bände aus der Leydig‘schen Bibliothek eingetragen. Die Einarbeitung nahm somit ungefähr ein Jahr in Anspruch. Die UB übernahm laut Universitätschronik 1081, zählt man die Einträge in den Leydig Widmung2Akzessionsjournalen 1180 Werke. Welche Angabe richtig ist kann nicht mehr geklärt werden.

Insgesamt weisen die Bände dieser Gelehrtenbibliothek kein repräsentatives Erscheinungsbild auf. Möglicherweise wurden viele Bücher bei der Einarbeitung neu gebunden. Bücher waren für Leydig nur Mittel zum Zweck, keine Anschauungsobjekte.

Leydigs Bibliothek zeigt sehr schön, dass Bücher Aussagen und Erkenntnisse über den ehemaligen Besitzer ermöglichen. Bei 25-30 % seiner Bücher handelt es sich um Widmungsexemplare. Dies lässt vermuten, dass Leydig regen, vor allem auch freundschaftlichen Kontakt zu Kollegen im In- und Ausland pflegte. Unter den nicht wenigen kleinen Schriften und Sonderdrucken finden sich auch Widmungsexemplare skandinavischer und britischer Autoren.

Obwohl es sich um eine Gebrauchsbibliothek handelt, findet man, abgesehen von dem Besitzvermerk, der in jedem der Bücher eingetragen ist, nur sehr selten handschriftliche Anmerkungen, davon einige in vier Sammelbänden mit kleinen Schriften von Leydig.


Hervorzuhebende Werke der Sammlung

  • Linné's "Vollständiges Natursystem" in neun Bänden mit annotierten Tafeln. Aus dem Besitz von Friedrich Wilhelm Wunder.
  • "Historia naturalis ranarum nostratium" von Rösel von Rosenhof
  • eine Ausgabe von Gesners Tierbuch aus dem Jahre 1583
  • 51 Bände der "Histoire Naturelle" von Buffon
  • eine 61-bändige Goethe Werksausgabe

Quellen / Kataloge / Verzeichnisse

  • ULB Bonn Altakten, Vb, Fasz. 26, Nr. 87, 99, 103, 111, 115, 131, 155, 157, 159, 161, 165, 167, 169, 179, 181, 183, 185, 189, 265, 276, 271, 275, 307, 309
  • ULB Akzessionsjornal 1908, Nr. 9967 - 10378
  • ULB Akzessionsjornal 1909, Nr. 4137 - 4247, 4250 - 4460, 4578 - 4590, 4632 - 4645, 5053 - 5169, 5228 - 5318, 5324 - 5459, 5472 - 5532, 5590, 5591, 6069 - 6072
  • Bücher aus dem Besitz Franz von Leydigs (Teilbestand)

Literaturhinweis

 

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