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Duisburger Universität

Die Bestände der alten Duisburger Universität

Die kurbrandenburgische Universität in Duisburg wurde am 14.10.1655 eröffnet. Zugleich wurde die Universitätsbibliothek begründet. Erster leitender Bibliothekar war Johann Georg Graevius (1632 - 1703). Ihm folgten Paul Terhaarius, Johannes Mensinga (1635 - 1698) und 1677, nach dem Ende der französischen Besatzung, Gerhard von Mastricht (1639 - 1721).

In den frühen Jahren konnte die Duisburger Bibliothek einen starken Zuwachs verzeichnen. 1660 erhielt sie von der Klever Regierung die Bibliothek des Rentmeisters Machecel. Kurz darauf wurde im Testament Heinrich von Goors, des ehemaligen AcadDuisb GoorBürgermeister von Moers, bei welchem der Universitätssenat mitgewirkt hat, festgehalten, dass seine Bibliothek unter dem Namen "Bibliotheca Gooriana" in Duisburg separat aufgestellt werden sollte. Sie enthielt ungefähr 1400 Werke. Johannes Mensinga, der damalige leitende Bibliothekar, erstellte dazu einen Katalog. In der Bonner Universitätsbibliothek zählt der "Catalogus Librorum Bibliothecae Goorianae ... , Duisburgi ad Rhenum, 1668" zu den Kriegsverlusten. Es konnte bisher bundesweit kein weiteres Exemplar ermittelt werden. 

Ein kompletter Verlust der Bibliothek in Folge der  französischen Besatzung ab 1672 konnte  vermieden werden. Dennoch waren die Verluste erheblich. Um solchen Diebstählen in Zukunft vorzubeugen, wurde 1680 ein Brandstempel (Acad:Duisb:) eingeführt. Den verbliebenen Bestand verzeichnete Gerhard von Mastricht in einem Katalog, der 1685 in gedruckter Form erschien ("Bibliothecae Publicae Electoralis Academiae Duisburgensis, Ut Et Bibliothecae Goorianae, Ejusdem Academiae Usibus Dedicatae, Catalogus").

AcadDuisb Brandstempel

Ende des 17. Jahrhunderts setzte ein langsam fortschreitender Niedergang der Universität ein. Unter den leitenden Bibliothekaren Heinrich von Erberfeld und Heinrich Mascamp betraf dies auch die Bibliothek. Die finanziellen Mittel waren, verglichen mit denen in Halle und Göttingen, verschwindend gering. Ohne Erfolg bat man die Klever Regierung mehrmals um Bibliotheken von Privatpersonen oder aufgelösten Klöstern. Nach dem Ende der französischen Besatzung setzte ein kurzer Aufschwung ein. Dem Bibliothekar und Professor Johann Albert Melchior (1721 - 1773) war es 1761 möglich, auf holländischen Auktionen Bücher im Wert von 376 Talern zu ersteigern. 

Im 18. Jh. entstanden noch zwei weitere Kataloge der  Duisburger Universitätsbibliothek. 1717 vollendete Mascamp den systematisch angelegten Katalog "Catalogus bibliothecae academiae Duisburgensis". Der wichtigste Katalog entstand gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Heinrich Adolph Grimm (1754 - 1813)  legte einen systematischen, vierbändigen, handschriftlichen Katalog an. Sein Katalog war so präzise, dass ihm später die Stelle des leitenden Bibliothekars an der geplanten Landesuniversität Münster angeboten wurde.

Das Ende der Duisburger Universitätsbibliothek kam zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Bereits 1804 plante die Klever Regierung, die Universität Münster zur Landesuniversität zu erheben. Folglich sollten die Universitätsbibliotheken Duisburg und Paderborn ihre Bestände dorthin abgeben und der Grimm'sche Katalog dorthin geschickt werden. Nachdem der rechtsrheinische Teil des Herzogtums Kleve mit dem Vertrag von Schönbrunn an Frankreich abgetreten wurde, plante Napoleon, die Duisburger Bibliothek als Basis für eine neu entstehende Universität in Duisburg zu nutzen. Die Befreiungskriege 1813/14 verhinderten dieses Vorhaben. 1815 fielen die Rheinlande an Preußen. 1818 entschied Friedrich Wilhelm III., eine zentrale Universität für die Rheinprovinz in Bonn zu eröffnen. Die Duisburger Universität wurde damit aufgehoben. Deren Bestände wurde im Dezember 1818 durch die Duisburger Professoren Carl Bierdemann (1767 - 1822) und Professor Conrad Jacob Carstanjen (1763 - 1840) übergeben. Der Wert der Bücher wurde auf 2451 Taler geschätzt, eine sogar für die damaligen Preisverhältnisse viel zu geringe Ansetzung. Zusammen mit den Büchern von Adolf Gottlieb Christoph Harleß (1738 - 1815) und denen der Rechtsschule Wetzlar bildeten sie den sogenannten Gründungsbestand der ULB Bonn. 

AcadDuisb BrandstempelBei der Revision anhand des Grimm'schen Katalogs fiel den Bonnern auf, dass 55 Werke fehlten. Der Bibliothekar Theodor Bernd (1775 - 1854)  vermerkte die fehlenden Titel im vierten Band des Katalogs. Der Grimm'sche Katalog wird durch Nachträge im Akzessionsjournal von 1819 ergänzt.

Am 5. Juni 1823 verfügte das Kultusministerium, dass die Universitätsbibliothek Bonn 19 Titel (antike Klassiker) aus der Duisburger Bibliothek, die als Dubletten vorhanden waren, an das Gymnasium in Duisburg abzugeben hatte. Schon vorher sind 13 Werke, ebenfalls antike Klassiker, an das Gymnasium übergeben und im Grimm'schen Katalog markiert worden. 

Die vier Bände des Grimm'schen Katalogs werden heute in der ULB Bonn unter der Signatur S 1577 aufbewahrt. Er verzeichnet etwa 3500 Werke in 7000 Bänden, wovon circa 2000 im Zweiten Weltkrieg in Verlust gerieten. Weitere Bände sind bereits zuvor durch den Dublettenhandel ausgeschieden worden. Eine umfassende Bestandsanalyse findet sich in Jörg Fligges Arbeit: "Die Bestände der ehemaligen Universitätsbibliothek Duisburg in der Universitätsbibliothek Bonn" (Signatur: 77/5169). 

Die Bücher

Das auffälligste Merkmal der Duisburger Bücher ist der Stempel mit dem Schriftzug "ACAD: DUISB", der auf den Schnitten oben und unten eingebrannt wurde. Dünne Bände weisen einen klassischen Bibliotheksstempel auf. Einige Bücher besitzen anstatt eines Stempels eine Rückenprägung oder einen handschriftlichen Besitzvermerk. Predigten und Dissertationen sind später von der Bonner Universitätsbibliothek mit Kleinschriften anderer Provenienz in Sammelbänden vereinigt worden und somit kaum noch als Duisburger Bestand zu ermitteln. 

Da die Duisburger Bücher mehrheitlich im Kauf erworben wurden, weisen nur wenige Bände Vorbesitzeinträge auf. Häufig findet man jedoch Bücher Philipp Caesars (1535 - 1585), eines reformierten Theologen des 17 Jahrhunderts. Vermutlich kauften die Duisburger einen Teil seiner Bibliothek.

Die Bücher wurden anfangs in schlichte Pergamenteinbände gebunden. Später bediente man sich einfacher Pappbände mit Lederrücken. Bücher, die beim Erhalt bereits eingebunden waren, speziell Handschriften und ältere Drucke, weisen schmuckere oder Makulatureinbände auf. 

Besonders erwähnenswert sind die 50 Inkunabeln und 60 Handschriften, unter letzteren 23 orientalische aus dem Besitz des damaligen Duisburger Professors Johann Peter Berg (1737 - 1800).


Kataloge / Verzeichnisse

 

Literaturhinweise

 

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