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Rothacker, Erich

Die Bonner Universitätsbibliothek erwarb 1966 die Bibliothek und den umfangreichen Nachlass des Philosophen und Psychologen Erich Rothacker.

Rothacker, Erich

Erich Rothacker (NL Rothacker V,4: 60)

Der Nachlass des bedeutenden Bonner Philosophen Erich Rothacker (1888 - 1965) gehört zu den umfangreichsten und am besten benutzen Beständen der Handschriftenabteilung der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn.

Der gebürtige Pforzheimer hatte 1911 nach einem umfangreichen Studium der Medizin, Philosophie, Psychologie, Geschichte und Kunstgeschichte bei Heinrich Maier in Tübingen mit einer Arbeit über Karl Lamprecht promoviert. 1920 habilitierte er sich in Heidelberg, wiederum bei Heinrich Maier, im Fach Philosophie. In der Neckarstadt nahm er Lehraufträge und eine außerordentliche Professur wahr, bis er 1928 einen Ruf auf ein Extraordinariat der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität annahm. Dort lehrte er Philosophie und Psychologie. Schwerpunkte seines Wirkens waren die Arbeiten an einer Philosophie der Geisteswissenschaften, seine Beschäftigung mit den Schichten der Persönlichkeit sowie seine kulturanthropologischen Forschungen.

Bereits vor 1933 hatte sich Rothacker der NSDAP zugewandt und setzte sich nach der Machtergreifung für eine nationalsozialistische Kulturpolitik ein, konnte sich mit seinen Ideen bei den neuen Machthabern aber nicht durchsetzen. Nach dem Krieg galt er als kompromittiert und konnte nach verschiedenen Entnazifizierungsverfahren erst Ende 1947 endgültig seine Lehrtätigkeit wieder aufnehmen. 1965 ist er in Bonn verstorben.

Erich Rothacker hinterließ bei seinem Tod einen umfangreichen Buchbestand und einen großen Nachlass. 1966 konnte die UB Bonn seine Bibliothek ankaufen und erwarb laut Kaufvertrag gleichzeitig und „ohne Kosten“ den Nachlass. Dieser bestand aus 3 Kisten Korrespondenzen sowie 30 Kisten mit Manuskripten und anderen Materialien. Die Betreuung des Nachlasses oblag anfangs Wilhelm Perpeet, einem Schüler Rothackers, der aus dem Nachlass auch mehrere Schriften Rothackers herausgab (u.a. „Gedanken über Martin Heidegger“ (1973), „Buch der Natur“ (1979)). Die ca. 7000 Briefe des Korrespondenznachlasses wurden zwischen 1979 und 1981 mit finanzieller Förderung des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung geordnet und katalogisiert und sind im Kalliope-Verbundkatalog recherchierbar.

Der besonders umfangreiche Manuskriptnachlass konnte erst in den letzten Jahren erfasst werden und ist in einem elektronisch durchsuchbaren  Inhaltsverzeichnis recherchierbar.


» Weitere Informationen zu Erich Rothacker finden Sie im Artikel der Wikipedia.

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