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Bibliothek Goussen

Goussen

In seinem Testament vermachte der katholische Geistliche und Lehrbeauftrage für christlich-orientalische Kirchenkunde und orientalische Sprachen an der Universität Bonn, Heinrich Goussen (1863-1927), seine Privatbibliothek für orientalisches Christentum dem Kölner Erzbischöflichen Stuhl als alleinigem Erben mit der Maßgabe, sie "auf 30 Jahre nach meinem Tode der Universität Bonn als Leihgabe zu überlassen". Sie wurde in der Universitätsbibliothek aufgestellt und befindet sich seit 1987 in deren Besitz, nachdem sich das Generalvikariat in Köln und die Universität über den endgültigen Besitzwechsel sowie eine Kaufsumme geeinigt hatten.

Über den tatsächlichen Bestand der Bibliothek beim Ableben ihres Besitzers ist nichts bekannt. Sie umfasste 4800 Nummern mit Monographien und Zeitschriften, daneben mehrere seltene Zeitschriften, z. B. Aethiops, Bulletin de l' Université de Tiflis, Echos d'Orient, al-Masriq, Revue des études arméniennes, Revue de l´orient chrétien, außerdem die Serien Patrologia orientalis und Monumenta Georgica. Nach dem Brand der Universitätsbibliothek im Oktober 1944 wurde die erhalten gebliebene Sammlung ausgelagert und verlor zwischen 1000 und 1500 Bde durch einen Wasserrohrbruch. Außerdem gibt es Anzeichen dafür, dass wichtige und wertvolle Werke planmäßig entwendet wurden. Heute ist von ca. 4000 Einheiten auszugehen, die durch einen dem Publikum zugänglichen Katalog erschlossen sind, der allerdings nicht vollständig ist.

Gemäß den Interessen Goussens, der Erforschung des Bibeltextes und der Liturgie in den Sprachen des christlichen Orients, handelt es sich um eine Spezialsammlung in den abendländischen alten und neuen Sprachen, vor allem aber orientalischen Sprachen wie Syrisch, Hebräisch, Aramäisch, Koptisch, Arabisch, Armenisch und Georgisch sowie weiteren Sprachen und Dialekten. Die Erscheinungsjahre reichen vom 16. bis ins 20. Jh mit Schwergewicht im 18. und 19. Jh. Der besondere Wert dieser Sammlung liegt in ihrer Vollständigkeit. Goussen sammelte innerhalb der einzelnen Sprachgruppen nahezu alles, was zum Thema je erschienen war, d. h. auch Zeitschriften- und Zeitungsartikel.

Es finden sich neben Werken zur Bibel und Liturgie auch Wörterbücher und Grammatiken der orientalischen Sprachen, ferner Darstellungen zur Geschichte und Landeskunde der betreffenden Länder, so etwa 40 Werke zur Erforschung und Bereisung Kaukasiens aus dem 17. bis 19. Jh. Fraglos enthält die Sammlung auch heute noch eine Reihe besonders seltener und wertvoller orientalischer Drucke, von denen der Experte des christlichen Orients Anton Baumstark 1927 bemerkte, sie ließen sich in dieser Vollständigkeit selbst aus den Beständen der großen europäischen Bibliotheken nicht zusammenstellen.

Die Bibliothek Goussen wird zur Zeit in der ULB neu katalogisiert. Ein beträchtlicher Teil ist inzwischen im Hauptkatalog erfasst. Ca. 850 Drucke der Bibliothek Goussen wurden im Jahr 2007 mit finanzieller Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen digitalisiert und seit 2009 sukzessive in den Digitalen Sammlungen der ULB im Netz präsentiert.

 

Veröffentlichungen

  • Kosack, Wolfgang: Die "Bibliothek Goussen". Eine orientalische Spezialbibliothek in der Universitätsbibliothek Bonn. Köln: Bibliothekarlehrinstitut 1973 [in Xerokopie vorhanden]

    » zugänglich als Digitalisat mit der Persistent-URL: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:5:1-46241

 

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