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Robert Walser: Aus dem Beistiftgebiet

Eine Ausstellung der ULB Bonn und des Robert Walser-Archivs der Carl Seelig-Stiftung, Zürich vom 4. Mai bis 15. Juli 2004

Portrait WalserDie Universitäts- und Landesbibliothek zeigte vom 4. Mai bis 15. Juli 2004 im Lesesaal die Ausstellung “Robert Walser - aus dem Bleistiftgebiet“, eine umfangreiche, der Chronologie der Lebensabschnitte Walsers folgende Dokumentation, die mit einer Fülle von Originalen: Manuskripte, Briefe, Bilder, Fotos und Bücher, einen der rätselhaftesten Schriftsteller seiner Zeit näher bringt. Die Ausstellung erzählt die Geschichte seines Lebens und stellt zugleich sein Werk vor in den unterschiedlichsten Facetten. Fast alle Exponate stammen aus dem Robert Walser- Archiv der Carl Seelig-Stiftung, Zürich. Als Ausstellung zusammengestellt wurden sie von Bernhard Echte, dem Leiter des Archivs.

Robert Walser, obwohl von Autoren wie Hesse, Tucholsky, Musil, Kafka und Benjamin schon früh empfohlen und hochgeschätzt, blieb zeitlebens verkannt. Heute gilt er als einer der wichtigsten Schweizer Autoren.

Am 15. April 1878 im schweizerischen Biel im Kanton Bern als Sohn eines Kaufmanns geboren, absolvierte er nach der Schulzeit zunächst eine Banklehre. Nach deren Abschluss arbeitete er kurzzeitig als Commis in Banken und Versicherungen, aber auch als Diener, Buchhändler und „Gehülfe“.

Seine 1898 erschienen erste Gedichte ließen ihn rasch zu einem Geheimtipp werden und verschafften ihm Zugang zu literarischen Kreisen. Nach Erscheinen seines ersten Buches „Fritz Kochers Aufsätze“, folgte er dem als Maler und Bühnenbildner sehr erfolgreichen Bruder Karl nach Berlin. In rascher Folge publizierte Walser hier seine Romane „Geschwister Tanner“, „Der Gehülfe“, und „Jakob von Gunten“. Alle drei Werke sind autobiografisch, thematisieren die Unangepasstheit der bürgerlichen Welt gegenüber und die Ablehnung vorherrschender Ideale. Trotz verklärender Tendenzen, traum- und märchenhafter Montagen, bringt Walser die Realität gesellschaftlicher Verwerfungen präzise zum Ausdruck. Darin bleibt sein gänzlich ungewöhnlicher Erzählstil immer heiter, gleichwohl er schwermütige Inhalte verhandelt.

Die Berliner Veröffentlichungen verschafften dem Autor ersten Achtungserfolg bei der Kritik, nachhaltig durchsetzen konnte er sich allerdings nicht. Im Gefühl, gescheitert zu sein, kehrte Walser alsbald in seine Heimatstadt Biel zurück. Im Dienstbotentrakt des Hotels „Blaues Kreuz“ mietete er sich eine Dachkammer und schuf dort unter äußerst ärmlichen Bedingungen eine große Zahl von Kurzprosatexten. Als Hauptwerk aus dieser Zeit gilt die Erzählung „Der Spaziergang“. Gelang es ihm anfänglich noch einiges auch in Buchform erscheinen zu lassen, so blieb doch vieles ungedruckt und ist heute verschollen. Ab Anfang der zwanziger Jahre in Bern lebend, führte Walser seine nomadische Mansardenexistenz fort. Obwohl er vielfach in literarischen Zeitschriften und Feuilletons bedeutender Tageszeitungen präsent war, konnte er nur noch eine Buchpublikation realisieren („Die Rose“). Das danach Entstandene, wie die aus den Jahren 1925 bis 1933 verfassten sogenannten „Mikrogramme", auf 256 Zetteln niedergeschriebene Texte in mikroskopisch klein gehaltener Sütterlinschrift, von denen einige auch in der Ausstellung zu sehen sind, wurde erst kürzlich veröffentlicht. Zunächst als eine Art Geheimschrift mißverstanden, wurden die unlesbaren, nicht zur Veröffentlichung bestimmten Aufzeichnungen erst in den neunzehnhundertfünfziger Jahren als literarische Notizen erkannt - darunter das Skript zu seinem Roman „Die Räuber“ , das in den letzten zwanzig Jahren in einem mühevollen Prozess entziffert und ediert worden ist („Aus dem Bleistiftgebiet“, 6 Bände, 1985-2000).

Infolge einer psychischen Krise geriet Walser Anfang 1929 in die Psychiatrie, deren Rahmen er nie mehr verlassen sollte. Unter den widrigsten Umständen war er in der psychiatrische Klinik Waldau bei Bern zunächst weiter literarisch tätig, gab jedoch das Schreiben vollständig auf, als er gegen seinen Willen in die Heilanstalt Herisau überstellt worden war. Dort lebte er über mehr als zwei Jahrzehnte als anonymer Patient und starb, völlig vergessen, am Weihnachtstag 1956 auf einem einsamen Spaziergang im Schnee.

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