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Musikalische Praxis und akademische Lehre

Ausstellung vom 28. September bis 03. Dezember 2005 der Sammlung des schlesischen Kantors Klein und die Anfänge der Bonner Musikwissenschaft

Plakat zur Ausstellung Musikalische PraxisUm die Jahreswende 1829/30 traf ein Fuhrwerk bei der Bonner Universität ein, das zwei "gewichtige" Kisten aus Berlin brachte. Diese enthielten Musikalien aus dem Nachlass des evangelischen Kantors im schlesischen Schmiedeberg (polnisch: Kowary) Christian Benjamin Klein (1754-1825), bei der damaligen Übergabe 544 handschriftliche und gedruckte Musica practica sowie 144 "Bücher über Tonkunst". Dieser Bestand, der auf Gesuch des ersten Musikdirektors der hiesigen Universität, Prof. Dr. Heinrich Carl Breidenstein (1796-1876), als Schenkung Friedrich Wilhelms III. durch das preußische Kultusministerium in das Rheinland transferiert wurde, bildete für lange Zeit einen Hauptfundus für die Bonner akademische praktische und theoretische Musikausbildung bzw. Musikpflege.

Die "Sammlung Klein", noch heute zum Teil im Musikwissenschaftlichen Seminar, zum Teil in der Universitäts- und Landesbibliothek in Bonn bewahrt, zeugt von über regionale, nationale und konfessionelle Grenzen hinausgehenden Sammel- und Nutzungsintentionen. Als relativ geschlossen erhaltene Sammlung, dokumentiert sie authentisch das beachtliche Niveau, das die kirchliche Musikkultur in einer schlesischen Kleinstadt um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert erreichen konnte. Für die Bonner akademische praktische und theoretische Musikausbildung bzw. Musikpflege bildete dieser Bestand für lange Zeit einen Hauptfundus.

Die Ausstellung zeigte das Profil dieses Bestandes sowie die Hintergründe seines Transfers im Kontext der damaligen kirchenmusikalischen Restaurationsbewegung, preußischen Kulturpolitik und Interessen der frühen Bonner bzw. deutschen akademischen Musikwissenschaft.

Die Präsentation entstand in Verbindung mit dem Projekt "Deutsche Musikkultur im östlichen Europa als Phänomen der Migration, Korrelation und Interferenz" im Rahmen des internationalen Kongresses „Musiksammlungen– Speicher interkultureller Prozesse“ am Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Bonn. Der Musikwissenschaftler Dr. Lucian Schiwietz und Dr. Peter Stauder von der ULB haben sie konzipiert.

Am Mittwoch, 28. September 2005 um 16:00 Uhr, lud die ULB zur Eröffnung der Ausstellung mit einem Vortrag und anschließendem Umtrunk in die Hauptbibliothek ein.

» Weitere Informationen können Sie dem Ausstellungsprogramm entnehmen.

 

Veranstaltungsprogramm am Eröffnungstag der Ausstellung in der Hauptbibliothek

Termin

28.09.2005 um 16:00 Uhr in der Hauptbibliothek, Adenauerallee 39-41

Begrüßung

  • Dr. Renate Vogt, Direktorin der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn
  • Professor Dr. Georg Rudinger, Dekan der Philosophischen Fakultät
  • Professor Dr. Erik Fischer: Einführung in das Projekt und den Kongress

Vortrag

  • Dr. Axel Walter, Osnabrück: Der Untergang von Bibliotheken und seine Spuren im kulturellen Gedächtnis. Vernichtung und Zerstreuung wertvoller Sammlungen im und nach dem Zweiten Weltkrieg am Beispiel der Königsberger Bibliotheken