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Die Inszenierung der Moderne - Der Architekt Fritz Bornemann

Ausstellung vom 22. Januar - 30. April 2003

Vom 22. Januar - 30. April 2003 präsentierte die ULB Bonn in ihren Ausstellungsräumen die Ausstellung "Inszenierte Moderne - Der Architekt Fritz Bornemann".

Im Zusammenhang mit der Ausstellung fanden mehrere Veranstaltungen statt:

Vorträge

  • "Bau- und Kunstwerk nach 1945. Kunst- und architekturtheoretische Überlegungen zu Fritz Bornemann"
    Dr. Peter Stauder, ULB Bonn; dies academicus 04.12.2002

  • "Bibliotheken. Zur Architektur des Wissens seit der Renaissance"
    Prof. Dr. Andreas Tönnesmann, ETH Zürich; 22.01.2003

  • "Architektonische Besonderheiten im Bibliotheksbau. Einblicke in die Richtlinien des Denkmalschutzes"
    Prof. Dr. Gisbert Knopp, Rheinisches Amt für Denkmalpflege; 22.01.2003

 

Colloquium

Architektur der fünfziger Jahre (07.02.2003)

  • Prof. Dr. Hiltrud Kier: Bau und Städtebau der 50er Jahre

  • Dipl. Ing. Nikolaus Bernau: Fritz Bornemann - Die Kiste als architektonisches Reformprojekt

  • Dr. Peter Stauder: Formalismus und Abstraktion - Bornemanns Bauten und der Sinn der Moderne

  • Prof. Dr. Günter Seubold: Ort Raum Location - Moderne Architektur in globalisierter Welt

  • Moderation: Dipl. Ing. Susanne Schindler

 

Bornemann ULB BonnDas Gebäude der Universitäts- und Landesbibliothek ist vielen vertraut. Die filigrane Leichtigkeit seiner äußeren Form, die sich im Inneren fortsetzt, sich dort erst vollends entfaltet, in der lichten Weite ihrer Räume, in der Freigabe des Blicks über die heitere Landschaft des beginnenden Rheintals und des Siebengebirges.

Vor fünfzig Jahren wurde der Wettbewerb für den Neubau der Bibliothek in Bonn ausgelobt. Fritz Bornemann, 1912 in Berlin geboren und seit 1946 als Architekt von dort aus wirksam, ging aus diesem Wettbewerb als Preisträger hervor und führte in den folgenden Jahren, gemeinsam mit dem französischen Architekten Pierre Vago, den damals für die junge Bundeshauptstadt überaus bedeutsamen Bau auch aus. Von Anfang an wurde das Gebäude nicht allein als Teil der Universität, sondern zugleich als Repräsentationsbau des neuen souveränen Staates verstanden. Seit 1996 steht die Bibliothek unter Denkmalschutz, leider erst zu einem Zeitpunkt, als bereits gravierende Veränderungen an ihrem damals sehr eleganten Erscheinungsbild vollzogen worden waren.

Bereits die ursprünglichen Entwürfe, wie auch die der meisten Gebäude Fritz Bornemanns, zeugen von konzeptioneller Entschlossenheit. Die sparsame Formensprache fügt seine maßgeblichen Bauten ein in die Architekturästhetik der Moderne. Ihr äußeres Bild folgt deren Formautonomie, ist geprägt vom Streben nach elementarer Schlichtheit und den Maximen reduzierter Architekturästhetik. Er selbst gar sieht die äußere Bauform nur als zweitrangig, will ihr nur Aufmerksam geschenkt wissen in ihrer Funktion als „dienende Hülle“. Auch das Innere richtet sich nach dem Anliegen puristischer Raumgestaltung. Bei aller Anbindung an die Architekturmoderne, geschieht die Tradierung freilich ohne forcierte Radikalität. Vor Ausschnitt der Aussenfassade der Deutschen Oper Berlin um 1960dem Hintergrund der politischen und gesellschaftlichen Vorgaben der ersten Jahrzehnte nach 1945 hat sich auch die Architektur der Nachkriegsepoche deren ideologischen Zwängen zu beugen, wird so vielfach zur Inszenierung der Moderne, die verträgliche Formen sucht und eine Schlichtheit ohne Experiment. Auch Bornemanns Bauten sind darin ganz Gleichnisse dieser Zeit. An den Gebäuden der Deutschen Oper Berlin von 1955-61, der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn von 1955-60 und der Freien Volksbühne Berlin von 1960-63 wird das besonders charakteristisch offenbar.

Bornemann war nicht nur Architekt, sondern auch Ausstellungsmacher. Ab den frühen 1950er Jahren erarbeitet er Informationsausstellungen im Auftrag der US-amerikanischen Regierung, später auch für den bundesdeutschen Staat. Die Erfahrungen aus diesen Projekten fließen ein in seine späteren Konzeptionen aus der Zeit von 1966-72, in denen er vor allem mit Licht und Klang arbeitet. In diesen medialen Schöpfungen zeigt er sich als wahrer Meister der „dienenden Hülle“, als Inszenator der unterschiedlichsten aus- und darzustellendDeutsche Pavillion auf der Weltausstellung in Osaka 1970en Inhalte. Seine dramatischen, im Dunkeln gehaltenen Innenraumgestaltungen für die Museen in Berlin-Dahlem oder die Konzeption des Museum der Deutschen Pavillons zur Weltausstellung in Osaka 1970, ein Kugelauditorium für die  Musik Karl-Heinz Stockhausens, sind die bekanntesten Beispiele dafür.

Die Ausstellung zeigt Bornemanns Werke nicht vornehmlich in ihrer individuellen Entstehungsgeschichte, sondern vielfach eingebettet in den allgemeinen architektonischen Kontext. Das sind vor allem Wettbewerbe. 1954 zum Theater Gelsenkirchen beispielsweise, 1959 zur Bonner Oper, 1965 zur Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin oder 1994 zum Bau des Bundeskanzleramts in Berlin, Wettbewerbe, die in ihrer Zeit die Diskussion bestimmten, von denen man heute meist nur noch die realisierten Bauten der ersten Preisträger kennt.

Auf diese Weise ermöglicht die Ausstellung einen direkten Vergleich mit den Leistungen aller Beteiligten und veranschaulicht zugleich das Wesentliche dieser, vermeintlich von der Gegenwartsarchitektur des 21. Jahrhundert schon weit geschiedenen epochalen Konzeptionen, gibt Einblick in ihre spezifische Architektursprache.

Dazu beitragen wird auch die kritische Auseinandersetzung mit Bornemanns Werk, die sich ein zur Ausstellung erscheinendes Buch, herausgegeben von Susanne Schindler, zur Aufgabe gemacht hat. Ist die Präsentation der Exponate im wesentlichen ausgerichtet auf die Darstellung einer Auswahl signifikanter Positionen in Bornemanns Werk, so bemüht sich das Buch - auch im Rahmen eines vollständigen Werkverzeichnisses - um eine umfassende Darstellung. Einige Vorträge, als Rahmenprogramm zur Veranstaltung, erweitern die Sicht auf dieses Thema.

Ziel war es bei all dem nicht, Bornemann ohne Bedacht als wieder zu entdeckenden Meister zu zelebrieren. Es geht darum, seine für die deutschen Nachkriegszeit maßgebliche Position zu bestimmen und ihn als Vertreter einer architektonischen Haltung zu zeigen, die vor dem Hintergrund der politischen und gesellschaftlichen Abhängigkeiten die Entwicklung der Architektur dieser Zeit wesentlich geprägt und bestimmt hat.

Peter Stauder

 

Buch zur Ausstellung

  • Inszenierte Moderne
    Susanne Schindler (Hrsg.) / Fritz Bornemann (Ill.). - Ausstellung Inszenierte Moderne - Der Architekt Fritz Bornemann <2003, Bonn>. - Berlin, Jovis. - 2003. -
    ISBN 3-936314-03-9
    Signatur 2003/3404
    Freihandmagazin Hauptbibliothek
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